Über mich


„Nein, nein, ich leide doch nicht unter Depressionen. Es ist einfach ein bisschen viel gerade.

Wenn ich die Aufträge hinter mir habe, dann ist alles wieder gut und ich kann mich erholen.“

Kennst du das? Dieses „wenn ich erstmal dieses oder jenes geschafft habe, dann wird alles besser“? Vielleicht hast du dir auch gesagt: „Wenn ich erstmal die Ausbildung hinter mir habe, dann verdiene ich richtiges Geld und kann dann anfangen glücklich zu leben, und mir etwas richtig schönes leisten.“ Oder wenn ich diese Diät gemacht habe, und 20kg abgenommen habe, dann bin ich schlank und glücklich. Oder: „Wenn ich erst im Lotto gewinne, dann höre ich auf zu arbeiten und fange an zu leben.“

Hört man sich eigentlich noch selber zu, wenn man das zu sich sagt? Also ich hörte mir nicht zu und kämpfte mich von einem wenn, dann zum anderen. Ich kämpfte mich von einer Unzufriedenheit in die nächste und hatte das Gefühl nie mein Ziel zu erreichen. Das Ziel eines glücklichen Lebens.

Wieso müssen wir erst einmal etwas erreichen, bevor wir glücklich und zufrieden sein dürfen? Wer zwingt uns denn unglücklich zu sein? Würden wir jemandem schaden, wenn wir alle zufrieden mit uns, der Welt und der Gesellschaft wären?

Anna (das bin übrigens ich), wie würdest du dich fühlen, wenn du morgen stirbst? Hättest du ein Leben voller Liebe und erfüllter Träume gelebt, auch wenn es bloß ein kurzes Leben wäre? Hättest du ein zufriedenes und friedliches Gefühl jeden und alles hinter dir zu lassen und zu denken: Danke, vielen Dank für dieses wundervolle, kurze Leben, das mir geschenkt wurde?

Meine Antwort vor einem Jahr käme nicht einmal ansatzweise heran, denn ich würde ängstlich antworten:

„Nein, bitte, ich will noch nicht sterben! Ich würde noch gerne meiner Familie sagen wie sehr ich sie liebe und außerdem hatte ich noch den Traum einmal um die Welt zu fliegen, surfen zu lernen, am Strand zu heiraten und vielleicht ein Buch zu schreiben. Ich habe so vieles noch nicht geschafft!“

Der Tod hat solche Macht, er zeigt sofort was wichtig ist im Leben.

Also zusammenfassend kann man sagen, dass ich wohl ein Doppelleben führe. Beziehungsweise führte. Innerlich schlummerten so viele Träume und Wünsche in mir, und doch tat ich genau das Gegenteil. Ich tat es, weil ich mir nie Gedanken darüber machte, was ich wirklich von meinem Leben will und mich einfach anpasste. Lieber etwas sicheres machen, einen Job bekommen, auf ein Haus sparen, ein paar Kinder gebären, auf die Rente warten und dann hätte ich genug Zeit mir zu überlegen was ich tun will. Und oft ist es dann schon sehr spät. Nicht zu spät, nur sehr spät.

So wie Julia Engelmann in ihrem millionenfach gesehenen Poetry-Slam „Oh Baby“ trefflich formuliert

Unser Leben ist ein Wartezimmer,
niemand ruft uns auf.
Unser Dopamin – das sparen wir immer,
falls wir es später brauchen.
Wir sind jung und haben so viel Zeit,
warum soll’n wir was riskieren?
Wir wollen keine Fehler machen,
wollen auch nichts verlieren.

Und eines Tages, Baby, werden wir alt sein,
oh Baby, werden wir alt sein
und an all die Geschichten denken,
die wir hätten erzählen können.

Und die Geschichten,
die wir dann stattdessen erzählen,
werden traurige Konjunktive sein wie –

»Einmal wär ich fast einen Marathon gelaufen
und hätte fast die Buddenbrooks gelesen,
und ich wär mal beinah
»bis die Wolken wieder lila« waren noch wach gewesen,
fast hätten wir uns mal demaskiert
und gesehen, wir sind die Gleichen,
und dann hätten wir uns fast gesagt,
wie viel wir uns bedeuten« –

werden wir erzählen.
Und dass wir bloß faul und feige waren,
das werden wir verschweigen
und uns heimlich wünschen,
noch ein bisschen hierzubleiben.

Wenn wir dann alt sind und unsere Tage knapp
– und das wird sowieso passieren –
dann erst werden wir kapieren,
wir hatten nie was zu verlieren.
Denn das Leben, das wir führen wollen,
das können wir selber wählen.
Also los!, schreiben wir Geschichten,
die wir später gern erzählen.
[ Ein Auszug aus dem Buch „Eines Tages, Baby“ von © Julia Engelmann ]

„Dann erst werden wir kapieren, wir hatten nie was zu verlieren.“ Ja wir haben nichts zu verlieren. Dieses Leben, das du führen darfst, wurde dir geschenkt, einfach so, du musstest nichts dafür tun. Warum verschwendest du es dann für eine Arbeit, die dir keinen Spaß macht oder an einen Partner, der dich runterzieht und missbraucht?

So locker und leicht, wie es sich anhört, ist es aber nicht. Vorallem nicht, wenn dir etwas im Weg steht. Die Angst. Die Angst deine Familie mit deinen Entscheidungen zu enttäuschen, zu versagen, nicht gut genug zu sein. Die Angst nicht genug Geld zu verdienen, für immer alleine zu bleiben, im Leben nie erfolgreich zu sein.

Meine größte Angst ist nicht für die geliebt zu werden, die ich wirklich bin.

Deshalb verstellst du dich lieber, bist lieb und brav obwohl du gerne schreien und heulen würdest. Du sagst immer Ja obwohl du Nein meinst, bist zu schüchtern um mal auf den Tisch zu hauen und zu sagen was du willst. Du lebst ein Leben, das von dir erwartet wird.

Diese Art zu leben, seine Wünsche, sein wahres Ich zu unterdrücken, anderen Menschen gerecht zu werden und gegen seine eigene Natur zu kämpfen, macht krank. Es macht unzufrieden, unglücklich und leer. Die Bezeichnung dafür ist Depression. Und das ist nichts wofür man sich schämen bräuchte, denn wenn du dich mal umsiehst, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass auch dein Nachbar unter Depressionen leidet. Diese Krankheit ist schon lange eine Volkskrankheit, die ausgelöst wird von einer perfektionistisch getriebenen Leistungsgesellschaft.

Wie bin ich da bloß hineingeraten?

Depression. Nicht nur eine kurze Welle der Traurigkeit, weil man einen lieben Menschen verloren hat oder weil sich die Eltern getrennt haben.

Ein schwarzer Schleier, der dein komplettes Leben verdunkelt. Der es fast unmöglich macht aus dem Bett zu kommen, fröhlich und energiegeladen den Tag zu starten. Jeden Tag, über Jahre hinweg.

Du fühlst dich leer, sinnlos, ziehst dich zurück, bist unzufrieden, weinst, trinkst, trinkst, trinkst.

Ich hielt dem Druck unserer Leistungsgesellschaft nicht stand, ich kämpfte jeden Tag gegen mich und meine Wünsche, um besser in diese Welt zu passen. Nur um zu geben, was verlangt wird. Es tut weh nicht verstanden zu werden, nicht für seine Art und Weise, für seinen Blick auf die Welt gemocht zu werden.

Es ist schwer jeden Tag jemand anderes zu sein, nur damit man seine Arbeitsstelle behält, damit man seinen Partner behält, damit man sein Leben behält. Denn wer bin ich denn ohne Arbeit, Partner, Familie? Ein Nichts.

Wie kommt man da wieder raus?

Depression hat viele Ursachen, viele Facetten. Du durftest in deinem Leben viele Erfahrungen sammeln, ob positive oder negative und hast gelernt damit umzugehen, aus ihnen zu lernen oder sie zu verdrängen. Diese Erfahrungen formen dein jetziges Leben, sie formen dein Denken und deine Gedanken.

Deshalb sind es auch deine negativen Gedanken, die deinen Alltag und dein Leben unerträglich machen. Und weil es in deinem Kopf passiert, hast du auch die Macht umzudenken und die negativen Gedanken in positive zu verwandeln. Das geht nur leider nicht von heute auf morgen. Das braucht Tage, Monate, Jahre. Vielleicht sogar dein ganzes Leben.

Es ist nur wichtig, den ersten klitzekleinen Schritt zu gehen. Den Schritt, den ich auch gehen musste, um hier zu stehen und offen darüber reden zu können. Ohne diesen Schritt gäbe es diese Seite hier nicht, dann gäbe es mich vielleicht nicht mehr.

Der erste Schritt ist Akzeptanz. Einzugestehen, dass es dir schlecht geht und dass du mit den einfachsten Dingen bereits überfordert bist. Ich weiß, wie hart dieser Schritt ist, und ich weiß was in den Köpfen der Menschen vorgeht, wenn man sich mit Depressionen outet. Du wurdest dazu erzogen immer Leistungen zu bringen, die Beste zu sein, für andere da zu sein, nie schwach zu sein. Und jetzt müsstest du dir eingestehen, dass du innerlich zerbrochen bist. Das tut weh.

Deshalb bin ich hier. Ich will zeigen, dass Depressionen normal sind und dass es jeden von uns treffen könnte. Es ist okay mal schwach zu sein. Es ist okay, wenn man unter seiner Vergangenheit leidet. Aber es ist nicht okay aufzugeben.

Wie ich dir helfen kann

Es ist nicht wichtig ob du selber unter Depressionen leidest oder nicht. Worüber ich hier berichten möchte, hilft uns allen weiter. Vielleicht findest du dich in einigen meiner Gedanken wieder und kannst gut nachvollziehen wieso und weshalb ich so denke. Ich versuche auch einiges wissenschaftlich zu belegen mithilfe von Hirnforschern und Neurobiologen. Es ist unglaublich interessant was in unseren Gehirnen geschieht, wenn wir zum Beispiel die Schule besuchen und warum unsere Begeisterung in Laufe des Lebens schwindet.

Du sollst verstehen, wieso du lebst wie du lebst, wieso du das durchmachst oder durchmachen musstest. Hinter allem gibt es einen Sinn und es ist so befreiend davon zu wissen. Meist leidest du nur unter deiner Unwissenheit. Es wird Zeit, dass du herausfindest wer du wirklich bist und danach handelst. Du hast ein schönes und glückliches Leben verdient, aber dafür solltest du auch bereit sein zu arbeiten.

Ich habe meine Begeisterung wieder für mein Leben und für alles was noch kommt. Und es war alles andere als einfach bis hierhin zu kommen.

Ich will, dass du dich kennenlernst. Dass du erkennst, dass es in Ordnung ist leise und alleine zu sein. Du musst niemandem etwas vorspielen, du brauchst dich nicht für dein Sein zu schämen. Sei die Frau, die du schon immer sein wolltest, und die du unter deinem dicken Panzer versteckt hältst, weil du Angst hast, nicht als das akzeptiert zu werden was du wirklich bist.

Hab Vertrauen in dich. Und weil ich weiß, dass das nicht so einfach ist, schreibe ich hier für dich. Ich schreibe darüber wie ich depressiv wurde, was die Gesellschaft damit zu tun hat, warum wir alle bedeutsam sein wollen und uns selber darin verlieren. Warum es keinen Sinn hat nach Perfektion zu streben, warum wir keine Angst haben müssen anders zu sein. Dass es schön ist anders zu sein.

Ich schreibe über meine Gedanken, über meine Träume, meine Pläne und über mein Leben. Ich will Mut machen. Und ich lade dich ein mitzumachen, schreib mir was du denkst, wie du dein Leben lebst, bist du zufrieden? Schlummern in dir auch noch unerfüllte Träume und Wünsche? Wenn ja, was hält dich noch davon ab sie dir zu erfüllen?

Ich freue mich sehr, dass du hier bist und mit mir gemeinsam hinter die Geheimnisse deines Lebens kommen willst.

Es ist eine spannende Reise und ich sage dir nicht wohin du gehen sollst, sondern begleite dich nur und erzähle dir meine Geschichten. Ob du zuhören magst oder nicht, das liegt ganz bei dir.

Die erste Geschichte, die ich erzähle, ist die Geschichte meines Lebens und die Geheimnisse meiner Vergangenheit.

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